Jetzt mitmachen!

Keines unserer Kinder sollte wegen seiner Behinderung von Freizeitangeboten ausgeschlossen werden! Mit Ihrer Hilfe erreichen wir dieses Ziel! Jahresspende und Fördermitgliedschaft schon ab 10 Euro/Jahr!
Infos anfordern unter Telefon: (0 21 95) 5834 997

Spaß im Vordergrund - Kids von Rade-integrativ e.V. beim Stadtlauf dabei!

Zum zweiten Mal mit am Start vom Radevormwalder Stadtlauf waren am Samstag, 11. September 2010 einige Kids vom Samstags-Treff des Vereins Rade-integrativ e.V. Und diesmal gab es für Begleiterin Sabine Maurer einen riesen Schreck bei der Getränkeausgabe hinter der Ziellinie...
Aber um das wohl Wichtigste bei einem Stadtlauf erstmal vorweg zu nehmen, sind hier erstmal die Laufzeiten der Kids in der Reihenfolge ihrer Starnummern:
Startnummer 294: Julia Hidalgo, 3:43
Startnummer 295 Verena Schnell, 5:49
Startnummer 296 Gesa Schnell, 5:48
Startnummer 297 Rebecca Thiemann, 8:10
Startnummer 298 Mia Wedmann, 3:28
Startnummer 299 Laura Genärsch, 3:56
Startnummer 413 Dustin Dienstel, 3:24
Startnummer 414 Nadine Lomberg, 3:43
Startnummer 300 Silas Rummenhöller, 4:18
Startnummer 301 Matthias Schnell, 4:17
Zehn Kinder (= 3 mehr als im Vorjahr!) traten beim 600-Meter-Lauf gemeinsam mit ihren Begleiterinnen Sabine Maurer und Sarah Kolander an. Auch ein junger Mann, der beim Samstags-Treff einige Sozialstunden ableistet, war mit am Start und übernahm die Begleitung der beiden jungen Gäste im Rollstuhl. Dieses Jahr musste man sich um das Wetter keine Sorgen machen: „Wir haben auch Kinder in der Gruppe, die sehr infektanfällig sind. Bei Regen hätten wir zur Sicherheit von der Teilnahme abgesehen“, erklärte die Sozialpädagogin. Als sie am frühen Nachmittag jedoch die Startunterlagen bei Sponsor Optik Strunk entgegennahm, schien die Sonne – und dabei blieb es, sodass die junge Frau in den Jugendräumen alles für den Lauf „ihrer“ Gruppe vorbereiten konnte. „Die Chips für die Zeitmessung, die ums Fußgelenk geklettet werden sollten, fanden die Kids schon letztes Jahr ziemlich ´cool`“, lachte Maurer.
Und schließlich fand sich die Gruppe um kurz vor halb drei ausgerüstet mit Chipband und Startnummer-Zettel auf dem Pulli gemeinsam mit zahlreichen nicht behinderten Kindern an der Startlinie am Marktplatz ein. Maurer erläuterte, die hinterste Startposition sei für die Kids wieder optimal gewesen. Sowohl fitte Kinder seien dabei gewesen, aber auch solche mit z.B. Herzfehler. Es sei daher klar, das viele das Ziel voraussichtlich ohnehin als Schlusslicht erreichen. Da muss man sich den Starttrubel in der ersten Reihe nicht antun.
Das war aber auch in diesem Jahr für die Kids völlig in Ordnung. Maurer: „Vielleicht mehr als für andere Kinder ist für unsere Kids mit Handicap der Weg das Ziel.“ Und genauso präsentierte sich die Gruppe schließlich auch: Das Tempo bestimmten die Kids selbst, Pausen waren ebenso erlaubt wie mal „richtig Gas zu geben“ mit dem Rollstuhl. Der jüngste Teilnehmer mit Behinderung wurde von seiner Schwester ohne Behinderung begleitet und kam schließlich gut gelaunt über die Zielmatte. Auch für ihn stand vor allem der Spaß im Vordergrund! Denn nicht den Lauf zu gewinnen, sondern wie alle anderen daran teilzunehmen – das war einmal mehr das Wichtigste für die Kids von Rade-integrativ e.V.
Die Begleitung der Kinder mit Behinderung sei auf jeden Fall wichtig gewesen, so Maurer, die seit 10 Jahren aktiv in der Freizeitgestaltung mit und für Menschen mit Behinderung tätig ist. Knapp vier Jahre davon arbeitet sie gemeinsam mit Sarah Kolander für „Rade-integrativ e.V.“. Die beiden kennen „ihre“ Kids, von denen sie die meisten samstags beim Treff in den Jugendräumen aber z.B. auch bei Ferienspaßaktionen und bei der integrativen Disco regelmäßig begrüßen kann. Die jungen Frauen wusste daher, welche Kinder sie beruhigt allein laufen lassen konnten und bei welchen darauf geachtet werden musste, dass tatsächlich die vorgeschriebene Strecke gelaufen wird. Oder aber bei welchen Kindern gesundheitliche Schwierigkeiten auftreten könnten. Solche und weitere Einzelheiten zur Teilnahme am Stadtlauf hatte die Sozialpädagogin daher im Vorfeld mit Sönke Eichner, dem Sportkoordinator der Stadt, besprochen, dem sie ebenso wie dem Stadtsportverband ein großes Lob ausspricht: „Wir haben hier wenig Bürokratie, dafür aller viel Unterstützung erfahren, auf alle Fragen eine Antwort bekommen.“ Die Offenheit und Fexibilität aller Organisatoren hat entscheidend dazu beigetragen, dass der Verein den Stadtlauf mit seinen Kids wieder mitmachen konnte.
So durfte Rade-integrativ e.V. beim Schülerlauf auch mit einigen Kids teilnehmen, die schon deutlich älter waren. „Anders ist uns eine Teilnahme derzeit aber auch gar nicht möglich“, erklärt Maurer. „Wir können uns nicht nur nach dem Alter richten, sondern müssen diverse Besonderheiten berücksichtigen. Körperliche aber auch kognitive.“ Perfekt wäre es daher, wenn es im nächsten Jahr so etwas wie einen „FunRun“ geben könnte. Denkbar wäre eine kurze Strecke, die unabhängig vom Alter für alle Menschen mit Handicap geöffnet ist. „Gerne würde ich das in den nächsten Monaten mit dem Stadtsportverband erörtern“, überlegt Maurer.
Teilnehmer und Begleiter kehrten nach der Teilnahme an den beiden Schülerläufen (Mädchen und Jungen, jeweils 600 Meter) geschafft und gleichzeitig verdient stolz auf ihre Leistungen in die Jugendräume zurück. Maurer und Kolander hatten dort natürlich eine gesunde Stärkung für die Kids vorbereitet und auch die Siegerehrung aller aktiven Teilnehmer: Ein ehemaliger Ableister von Sozialstunden übernahm dabei die Vergabe der Urkunden, die Begleiterinnen die Gratulation. Die schicken T-Shirts, die alle jungen Teilnehmer/innen der Schülerläufe von den Organisatoren im Tausch gegen den Zeitmess-Chip geschenkt bekommen hatten, wurden natürlich auch gleich angezogen.
Obwohl die Teilnahme an sich gut geklappt hatte, nahm Sabine Maurer von der Getränkeausgabe dann aber doch einen riesigen Schreck mit nach Hause: Ein Mädchen mit geistiger Behinderung, das zusätzlich von diversen Allergien und Unverträglichkeiten betroffen ist, hatte am Ziel eine der gut gemeinten kostenlosen Erfrischungen in Form eines Fitness-Getränkes gereicht bekommen – und wie alle anderen Läufer unbedarft getrunken. Wie sich nach Durchsicht der Zutatenliste herausstellte, hätte das Mädchen mindestens drei der Zutaten nicht zu sich nehmen dürfen! Zudem enthielt enthielt das gereichte Getränk Gluten - und die Teilnehmerin hat Zöliakie und muss Gluten streng meiden! Bei der Zöliakie handelt es sich um eine chronische Erkrankung, die in Deutschland mit einer Häufigkeit von etwa 1:500 auftritt! Also nicht gerade selten... Maurer: „Da wurde es mir schon anders... Als ich die übrigens sehr schwer findbare Zutatenliste gelesen hatte, um sie im Erstfall dem Notarzt zeigen zu können, war ich schon auf das Schlimmste gefasst...“
Einerseits ist es natürlich für die Sozialpädagogin verständlich, dass die Teilnehmer sich über etwas zur Trinken nach dem Lauf freuen und keiner Zeit hat nachzufragen, ob die Erfrischung von jedem einzelnen Läufer vertragen wird oder wohlmöglich für einige Kinder gesundheitliche Probleme nach sich ziehen kann. Aber sollte man dann nicht zumindest bei den Schüler-Läufen doch lieber bei Wasser bleiben?
Eine zeitnahe allergische Reaktion auf die diversen potentiell kritischen Inhaltsstoffe blieb bei dem Mädchen glücklicherweise aus. Die Unterstützung des Roten Kreuzes, das die Aufregung bemerkt und Hilfe angeboten hatte (Herzlichen Dank dafür!!!), wurde zum Glück nicht gebraucht. Aber die Angst und Sorge sowie allgemein das Risiko eines solchen Zwischenfalls wäre komplett vermeidbar gewesen durch die Ausgabe von ganz normalem Wasser. Hoffentlich nächstes Jahr!?